Europäischer Glücksspielverband kritisiert deutsche Glücksspielsteuer

Veröffentlicht am 18. Mai 2021

Jede Medaille hat zwei Seiten – so auch der neue Glücksspielstaatsvertrag, der in Deutschland bereits in eineinhalb Monaten in Kraft tritt. Die negative Seite des neuen Vertrages ist die geplante Glücksspielsteuer. Denn um diese ist eine heiße Diskussion entstanden. Insbesondere der EGBA hat nun Stellung bezogen.

Glücksspielsteuer soll auf die Einsätze berechnet werden

Inhaltsverzeichnis:

Glücksspielsteuer soll auf die Einsätze berechnet werdenGoldmedia-Studie: Spieler werden zu illegalen Anbietern abwandernNicht lizenzierte Anbieter klar im Vorteil

Im Zuge des neuen deutschen Glücksspielstaatsvertrages wurde eine neue Glücksspielsteuer ins Leben gerufen. Dies war auch mehr als notwendig. Das bisher gültige Glücksspielgesetz befasste sich noch nicht mit Online Casinos. Ferner ging Deutschland in den letzten Jahren gegen Online Glücksspielanbieter strafrechtlich vor, wenn auch mit geringem bis gar keinen Erfolg. Das verdeutlicht jedoch, dass Deutschland keinesfalls auf der Seite der Online Casinos stand und womöglich gar nicht geplant hatte, diese zu legalisieren.

Nun jedoch ist es anders gekommen und für die bald legalen Online Glücksspielanbieter musste eine eigene Steuer kreiert werden. Sie wurde auf 5,3 Prozent festgesetzt und ist unwesentlich höher als die bisherige Steuer auf diverse Glücksspiele. Das weitaus größere Problem stellt die Berechnungsgrundlage dar. Die Steuer soll auf die Einsätze berechnet werden. Das bedeutet sowohl für den Spieler als auch für den Glücksspielanbieter erhebliche Nachteile:

Die Glücksspielanbieter müssen aufgrund der Steuer die Auszahlungsquote nach unten korrigieren. Das macht die betroffenen Anbieter für die Spieler unattraktiv. Nicht lizenzierte Unternehmen müssen die Quoten nicht verändern. Aus diesem Grund sieht die EGBA das Ziel des deutschen Glücksspielvertrages als gefährdet an.

Um abschätzen zu können, wie die Folgen der neuen Steuer ausfallen könnten, wurde eine Studie ins Leben gerufen. Das Ergebnis der Studie gibt klar wieder, wie die Spieler darüber denken.

Goldmedia-Studie: Spieler werden zu illegalen Anbietern abwandern

Positiv ist, dass es für Deutschland bereits die ersten Lizenzen gibt: Entain, Flutter und Greentube besitzen die heiß begehrte Lizenz und dürfen somit Online Poker und Slots anbieten. Allerdings sehen auch diese Konzerne die Glücksspielsteuer mit gemischten Gefühlen und haben aus diesem Grunde eine Studie durchgeführt. An dieser Online Studie nahmen 619 Spieler teil. Die Hälfte dieser gab zu, nicht mehr bei legalen Anbietern zu spielen, wenn die Steuer in Kraft tritt. Das liegt in erster Linie daran, dass die Glücksspielkonzerne höchstwahrscheinlich die Auszahlungsquote von 96 auf 90 Prozent absenken werden. Nur so können sie weiterhin wettbewerbsfähig bleiben – aus finanzieller Sicht betrachtet.

Führen nun alle Spieler ihre Pläne durch, zu illegalen Glücksspielanbietern abzuwandern, wäre das Ziel des deutschen Glücksspielstaatsvertrages definitiv nicht erreicht. Immerhin sollte mit dem Vertrag das Glücksspiel legalisiert werden, damit keine unseriösen Anbieter mehr genutzt werden. Die Legalisierung würde zudem den Spielerschutz erhöhen, da an eine Lizenz sehr strenge Regeln gebunden sind. Wandern die Spieler jedoch zu illegalen Anbietern ab, verschwindet der Spielerschutz.

EGBA führt ferner aus, dass die neue Steuer auf Online Glücksspiele zum Vorteil landbasierter Casinos und Spielhallen ausfällt. Letztere müssen die neue Steuer nicht bezahlen. Somit entsteht folgendes Ungleichgewicht: Die Steuer auf Online Slots fällt fünfzehnmal so hoch aus wie auf die Spielautomaten vor Ort. Für Online Poker erhöht sich die Steuer auf das Vierfache – im Vergleich zu Poker vor Ort.

Die neue Regel durch den Glücksspielstaatsvertrag würde streng genommen gegen das EU-Recht verstoßen, da die landbasierten Glücksspielanbieter einen Steuervorteil erhalten. Der Fachbegriff lautet hierfür illegale staatliche Beihilfe. Der EGBA geht sogar weiter und hat die deutsche Regierung aufgefordert, noch einmal über die Steuer nachzudenken. Falls nicht, würde der Verband eine Beschwerde bei der EU einreichen.

Nicht lizenzierte Anbieter klar im Vorteil

Werden die Auszahlungsquoten verringert, reduziert sich der Gewinn für die Spieler. Nachdem Glücksspielanbieter ohne Lizenz die Glücksspielsteuer nicht bezahlen müssen, können diese die gewohnt hohe Auszahlungsquote beibehalten. Das wird sicherlich für einige Spieler den Ausschlag geben, zu einem nicht lizenzierten Anbieter zu gehen. Hierdurch erhöht sich die Beliebtheit dieser Online Casinos.

Der neue Glücksspielstaatsvertrag bietet jedoch weitere Vorteile für diejenigen Casinos, die keine Lizenz für Deutschland beantragen. Sie müssen sich nicht an die Regeln des Vertrages handeln, weshalb sie rein theoretisch auch beliebte Casinospiele wie Roulette, Baccarat oder BlackJack präsentieren dürfen. Ebenfalls müssen sie sich nicht an die Vorschrift halten, dass ein Spiel nur fünf Sekunden dauern darf und dass nicht mehrere Spiele gleichzeitig laufen dürfen.

Auch darin sehen die Spieler Vorteile und sehen einen weiteren Grund, zu nicht lizenzierten Anbietern zu greifen. Eventuell sehen viele bekannte Konzerne davon ab, eine Lizenz für Deutschland zu beantragen. Hierdurch verringert sich nicht nur das Sortiment für die Spieler. Es führt erneut zu einer Wettbewerbsverzerrung, wenn nur noch wenige Online Casinos vorhanden sind. Finden die Spieler ihre Lieblingsslots nicht vor, haben sie zusätzlich einen Grund, entweder zu den Casinos vor Ort zu gehen oder in den Schwarzmarkt abzuwandern.

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